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Trainer Laufgruppe

Gunter Venus
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Laufgruppe LA10

3 Gazellen auf dem Weg zum Gipfel des Mount Everest

 397 Stufen, wieder und wieder, im wunderschönen und historischen Weinberg „Goldener Wagen“. Am Fuße des ältesten Weinbaumuseums Europas, der Hoflößnitz, wieder und wieder…, das war die Herausforderung, die es anzunehmen und zu bewältigen galt. Und ja, wir haben es getan. Wir das sind, Simone Putzger, Kerstin Hering und ich, Nadja Hennig, drei junggebliebene Mittfünfzigerinnen vom TSV Dresden, Abt. Leichtathletik auch bekannt unter dem Namen „Die TSV Gazellen“.

 

Als 3er Seilschaft haben wir uns für den extremsten Treppenlauf der Welt entschieden, den Radebeuler „Mount Everest Treppenmarathon“ auf der historischen Spitzhaustreppe. Für Alleingänger heißt es, in 24 Stunden mindestens 100 Mal die 397 Stufen hinunter und auch wieder herauf zu laufen. In der Summe ist man dann die 8.848 Meter auf den höchsten Berg der Welt gestiegen und hat nebenbei noch die Strecke von 2 Marathons bewältigt. Die 3er Seilschaft teilt sich diese Strecke und so läuft jeder 33 bzw. einer 34 Mal.

 

Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und eine gehörige Portion Respekt mitgebracht. 2017 war ich schon einmal in einer 3er Seilschaft am Start, wusste also, was ich da tue und war mir damals ziemlich sicher, es das erste und letzte Mal getan zu haben. Aber, glücklich ist, wer vergiss …., und nach 2 Jahren tut es auch nicht mehr weh. Ja und dann war da Sybille, meine junge Kollegin…, ich konnte einfach nicht „Nein!“ sagen. …und schon waren wir angemeldet, Sybille, Simone und ich als Team Radebeul. Das war im Oktober 2018, der Start also noch in weiter Ferne. Aber plötzlich war es Januar, das hieß, ab jetzt jede Woche einmal Treff an der Treppe zum Training. Und dann der Schock, denn wer nicht kam, war Sybille. Gesundheit geht vor und damit fehlte uns die dritte Frau, die es zu ersetzen galt. Im Hinterkopf hatte ich unsere kämpferische Kerstin. Und was soll ich sagen, ich musste nicht lange betteln. Nach einem „Probetraining“ an der Treppe war sie dabei. Hallo Kerstin, als „TSV-Gazellen“ schreiben wir also auch hier Geschichte, denn mit diesem Wechsel im Team stand natürlich auch der Namenswechsel an.

 

Zwischen 5 und 10 Mal bewältigen wir nun jede Woche die Distanz zwischen Hoflößnitz und Bismarckturm. Jede Menge Schweiß lassen wir hier, aber diesen fantastischen Blick über das Elbtal, nehmen wir mit und werden meistens auch mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt. Schon das ist die Sache wert, obwohl wir im Bekanntenkreis sehr viel Mitleid und Unverständnis ernten.

 

13.04.2019, 22:00 Uhr, es geht los. Peter, Kerstins Mann fährt uns durch das nächtliche Dresden und Radebeul. „Normale Menschen“ sitzen jetzt ja vor dem Fernseher oder gehen ins Bett. Wir fahren durch die kalte Nacht und werden mit einem traumhaften Blick über das nächtliche Radebeuler Elbtal verwöhnt. Das rechtfertigt unser Tun und versöhnt uns. Kurz halten wir inne bevor wir uns auf das bevorstehende Event konzentrieren.

 

Start ist für uns 0:00 Uhr und wir haben genau 16 Stunden Zeit den „Gipfel des Mount Everest“ zu besteigen. Das heißt, das Zeitfenster ist eng, denn wir dürfen nicht länger als 9,5 Minuten pro Runde auf der Strecke sein. Aber der olympische Gedanke zählt. Wer „A“ sagt muss auch “B“ sagen. Also los! Kerstin geht als erste ins Rennen und mit einer Zeit von 9:24 Min. legt sie ordentlich vor. Simone und ich laufen beide eine 9:13 Min. und stehen Kerstin so in nichts nach. Die ersten Runden sind wir schnell unterwegs, aber bald wird klar, Das halten wir nicht bis zum Ende durch. Rundenzeiten um die 10 Minuten bringen uns auf den Boden der Realität zurück. Den „Gipfel des Mount Everest“ werden wir also nicht erreichen. Eigentlich war das von vornherein klar, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Also kurz schütteln und weiter machen. Wir haben der Treppe den Kampf angesagt und wir geben alles, bis zur letzten Minute. So der Plan. Wir wechseln im Takt, Kerstin, Nadja, Simone. So hat jede von uns regelmäßig ca. 20 Minuten Pause bevor sie wieder auf die Strecke geht. Die Pause nutzen wir zum Erholen und Kraft tanken. An dieser Stelle ein Riesendankeschön an die Veranstalter. Die Verpflegung und Betreuung im „Basislager“ am Bismarckturm - einfach top. Es gab nichts, was es nicht gab. Angefangen von Tee, Wasser, Kaffee, Iso über Bananen, Orangen, Salzstangen, Nüssen, Gummibärchen, Nudeln, ja sogar Nudelsuppe, selbstgebackener Kuchen, Käse, Würstchen, Wahnsinn. Für die müden Knochen der Läuferinnen und Läufer standen die Mädels und Jungs vom Physiozelt zur Verfügung. Sie hatten den passenden Griff und die richtigen Worte parat. Und wer nur etwas Ruhe und Entspannung suchte, der war im Gemeinschaftszelt auf 80 Metern Seehöhe auf einer der bereit gestellten Liegen gut aufgehoben. Hut ab, liebes Organisationsteam, was ihr da auf die Beine gestellt habt, das sucht seines Gleichen und schon das ist und war die Strapazen wert.

 

Mit ca. 2°C ist die Nacht empfindlich kalt. Wer also gerade nicht auf der Treppe ist wickelt sich in seine mitgebrachte Decke, damit die Muskeln warm bleiben. Aber auch die Euphorie und der Kampfgeist tun ihr Übriges. Wir kämpfen füreinander, das treibt uns an. Umso mehr Respekt zolle ich den Alleingängern, von denen es etwa 100 gibt. Was bewegt sie, diese Strapazen allein auf sich zu nehmen? Da wartet niemand im Ziel und freut sich über die schnelle Runde, niemand der sie abklatscht und den nächsten Part übernimmt, niemand, der Mut macht, wenn es gerade nicht so läuft. Hut ab, vor eurem Kampfgeist, der Ausdauer und dieser wahnsinnigen Leistung. Als wir gestartet sind, da hatten die Einzelläufer bereits 8 Stunden in den Knochen und die meisten von ihnen waren frisch und fröhlich unterwegs. Und wenn ich dann erlebe, dass ich nach ca. 20 Runden treppauf von der schnellsten Einzelläuferin, die ja bereits mehr als 70 Runden in den Beinen hat, locker flockig überholt werde, da kann ich nur sagen, Respekt, zwischen uns bewegen sich Welten.

 

Nichts desto trotz, sind wir gut unterwegs. Während Kerstin ihre Runden knapp unter 10 Minuten abspult, sind Simone und ich zwischen 10 und 11 Minuten unterwegs. Treppab sehen wir zu,

so schnell, wie möglich zu „fliegen“, wobei Fairness an erster Stelle steht und nur überholt wird, wenn dadurch kein anderer Läufer gefährdet wird. Schließlich ist hier auch die Feuerwehr unter

Vollschutz „im Einsatz“ – das ist nochmal eine ganz andere Hausnummer. Hut ab auch vor diesen Mädels und Jungs, die übrigens aus ganz Sachsen angereist sind. Treppauf schweift dann doch der Blick, wenn auch schwer atmend, in die angrenzenden Weinberge. Für mich, die ich selbst regelmäßig im Weinberg tätig bin, sehr interessant zu sehen, wie weit man hier mit Rebschnitt und -pflege vorangekommen ist. Das lenkt ab, auch vom Wetter, welches sich wirklich nicht von seiner besten Seite zeigt. Und so verfliegt die Zeit und plötzlich wird es voll auf der Treppe. Die anderen ausgeschriebenen Wettbewerbe, wie die Touristenstaffel und die „11 Freunde“ starten. Da sind flinke Füße unterwegs. Unsere sind nach über 80 gemeinsamen Runden nun doch etwas schwer, aber die 90 wollen wir definitiv schaffen. Das würde bedeuten, wir hätten einen Achttausender, genau gesagt den Aconcagua, bestiegen. Das Matterhorn, den Montblanc und den Elbrus haben wir ja schon lange „in der Tasche“. 90 Runden geschafft, juchhu!!! Doch da taucht auf einmal ein kleines Zettelchen auf, welches ein Läufer als Motivation bei sich trug. Auf diesem stand: „92 Runden = Nanga Parbat“. Ich brauchte Kerstin nur ansehen und wusste, da muss ich jetzt nochmal runter. Also nicht lange fackeln, laufen. Als ich dann zum letzten Mal die 397 Stufen in Angriff nahm, konnte ich den Mädels, welche allen Finnischere n auf der letzten Runde einen Kirschzweig in die Hand gaben, auch noch für uns 3 Gazellen jeweils einen abluchsen. Oben angekommen habe ich ein letztes Mal Simone abgeklatscht und auf die wirklich allerallerletzte Runde geschickt. Punkt 16 Uhr waren wir dann im Ziel und fielen uns glücklich in die Arme.

Wir waren uns sicher, Das machen wir bestimmt nie, nie wieder, aber noch ist ja nicht aller Tage Abend…

 

Fazit:

Wenn wir 3 Gazellen auch den Gipfel des Mount Everest nicht erreicht haben, gehören wir doch zu den 8.000er Bezwingern. Der Nanga Parbat ist jetzt auch nicht so schlecht. Was zählt ist der Teamgeist und das Durchhaltevermögen. Das war am Ende dem Veranstalter auch für jede von uns eine Medaille wert. Und wir sind darüber stolz und glücklich.

 

Kerstin, Simone und Nadja

 


"Duell der Gazellen" - beim 31. Mannschafts-Crosslauf am 05.04.2018

31. Mannschafts-Crosslauf Prießnitzgrund